Der komplette Ratgeber zur neuen Prüfnorm
Eine erstklassige Luftqualität in Gebäuden und Industrieanlagen ist kein Zufall, sondern das Ergebnis präziser Filtertechnik.
Darüber hinaus hat die Umstellung auf Filterklassen iso 16890 im Jahr 2018 die Bewertung von Luftfiltern grundlegend verändert.
Für Anlagenbetreiber, Hausbesitzer und die Industrie in der Ostschweiz bedeutet das vor allem Transparenz und eine passende Filterauswahl.
Doch, was verbirgt sich hinter Kürzeln wie Filterklassen iso 16890?
Warum wurde die EN 779 ersetzt?
Die EN 779 besass einen entscheidenden Schwachpunkt.
Zudem wurden Filter unter reinen Laborbedingungen mit einem standardisierten, synthetischen Prüfstaub (ASHRAE-Staub) beladen.
Weiterhin fokussierte sich die Messung starr auf eine einzige Partikelgrösse von 0,4 Mikrometern (µm).
Allerdings besteht die Atemluft in unserer natürlichen Umgebung aus einem weitaus komplexeren Spektrum an Partikelgrössen.
Außerdem führte die extreme Staubbeladung in der Testkammer dazu, dass Filter ihren Wirkungsgrad künstlich steigerten.
Allerdings verhält sich Filtermaterial bei atmosphärischem Staub in der Praxis anders.
Zudem bleibt die Abscheideleistung meist konstant oder nimmt leicht ab.
Allerdings zeigte ein Filter, der im Labor als F7-Klasse glänzte, im realen Einsatz nicht dieselbe Leistung.
Die Feinstaubklassen der ISO 16890 im Überblick
Die ISO 16890 bewertet ein breites Spektrum von 0,3 µm bis 10 µm. Die Einstufung richtet sich nach den international etablierten Feinstaubfraktionen, die auch von Umweltbehörden und der WHO genutzt werden:
- PM1 (Partikelgröße ≤ 1 µm): Z. B. Viren, Nanopartikel, feinste Abgase.
- PM2,5 (Partikelgröße ≤ 2,5 µm): Z. B. Bakterien, Pilzsporen.
- PM10 (Partikelgröße ≤ 10 µm): Z. B. Pollen, Steinstaub, Zementstaub.
Filter, die weniger als 50 % der PM10-Fraktion abscheiden, fallen in die Kategorie ISO Coarse (Grobstaub).
So funktioniert das neue Messverfahren (IPA-Test)
Um das Label der ISO 16890 zu erhalten, durchlaufen die Filter einen zweistufigen Testablauf:
- Messung im Neuzustand: Die Trenngradkurve wird im unbenutzten Zustand ermittelt.
- Isopropanol-Dampf (IPA): Der Filter wird in einer Isopropanol-Atmosphäre behandelt. Diese Prozedur entlädt das Filtermaterial vollständig.
Viele synthetische Filter laden sich elektrostatisch auf und filtern im Neuzustand dadurch extrem gut.
Darüber hinaus geht diese statische Ladung im echten Einsatz jedoch schnell verloren.
Zudem zeigt nach dem IPA-Bad der Filter seine rein mechanische Abscheideleistung.
Das Endergebnis errechnet sich aus dem Mittelwert beider Messungen, gemäss Filterklassen iso 16890.
Abscheidegrade richtig lesen
Das „e“ in der Norm-Bezeichnung steht für Effizienz (Wirkungsgrad). Um in eine der ePM-Kategorien eingestuft zu werden, muss der Filter zwingend mindestens 50 % des jeweiligen Partikelgrössenbereichs abscheiden.
Das Diagramm veranschaulicht die Fraktionsabscheidegrade in Prozent auf der vertikalen Achse. Die Einstufung in eine der ePM-Kategorien setzt voraus, dass der Filter auf der Skala mindestens die 50-Prozent-Marke überschreitet. Erreicht ein Filtermaterial beispielsweise bei den feinsten ePM1-Partikeln einen Wert von 65 % (hellblauer Bereich), werden bei den grösseren Partikelfraktionen automatisch höhere Abscheidegrade erzielt. So steigt der Wert für ePM10 im Diagramm auf einen Bereich ab 75 %.
Die ermittelten Werte werden für die endgültige Produktbezeichnung stets auf volle 5 % abgerundet. Ein Filter, der 58 % der PM1-Partikel stoppt, trägt somit die offizielle Bezeichnung ISO ePM1 55%.
Normen im direkten Vergleich
| Prüfparameter | EN 779 (Bisher) | ISO 16890 (Aktuell) |
| Ergebnis | Entspricht oft nicht den realen Einsatzbedingungen | Entspricht realen Einsatzbedingungen |
| Partikelgrössen | Ausschliesslich 0,4 µm | Spektrum von 0,3 µm bis 10 µm |
| Filterleistung | Einfache Filterklassen (G2 bis F9) | Bezogen auf Feinstaubfraktionen (PM10, PM2,5, PM1) |
| Bezug zur Anwendung | Kein anwendungsspezifischer Filter | Gezielte Auswahl für den spezifischen Anwendungsbereich |
| Klasseneinteilung | G2, G3, G4, M5, M6, F7, F8, F9 | ISO ePM1, ISO ePM2,5, ISO ePM10, ISO Coarse |
Praxis-Beispiele: Welcher Filter für Ihre Anlage?
Dank der ISO 16890 können Sie Ihre Filter wesentlich präziser auf Ihre Anlagen abstimmen.
- Schaltschranklüfter: Für die Kühlung von Industrieschaltschränken (z. B. Anlagen von Pfannenberg oder Rittal) genügen in der Regel robuste ISO Coarse Filter, wie etwa massgeschneiderte G4 Filtermatten in 20mm Stärke.
- Wohnraumlüftungen: Moderne Komfortlüftungen (wie Modelle von Lunos, Oertli Spirado oder Swegon Casa) erfordern feinere Abstimmungen, um die Innenraumluft von Pollen und Feinstaub freizuhalten. Hier kommen oft spezifische PPI 20 oder PPI 30 Schaumstoff-Zuschnitte zum Einsatz, die exakt nach der neuen Norm zertifiziert sind.
